Wer in Google Ads Neukunden gezielt stärker bewerten will, hat dafür bisher einen festen Betrag auf die Conversion aufgeschlagen, etwa 20 Euro pro Neukunde. Das ist einfach, aber ungenau: Auf einen kleinen Warenkorb wirkt derselbe Betrag kräftig, auf einen großen kaum. Am 22. Oktober 2026 hat Google angekündigt, dass sich das ändert.
Prozentuale Multiplikatoren für die Kundenlebenszyklus-Ziele verlassen die Beta. Statt eines festen Aufschlags wählen Sie einen Faktor von 1,1x bis 5x, der mit dem Warenkorb mitwächst. Dieser Beitrag ordnet ein, was sich konkret ändert, was Google noch offen lässt und wie kleine und mittlere Unternehmen die Funktion vorsichtig einsetzen.
1. Was Google am 22. Oktober 2026 angekündigt hat
Die Neuerungen stammen aus einer Ankündigung von Google Ads Liaison, über die ppc.land berichtet hat. Drei Punkte sind für die Praxis wichtig:
- Prozentuale Multiplikatoren: Sie lösen feste Zusatzwerte als Option bei den Kundenlebenszyklus-Zielen ab. Die Spanne reicht von 1,1x bis 5x.
- High Value Mode für Neukundenakquise: Er kommt laut Google-Thread in Shopping-Kampagnen.
- Drei Retention-Modi: Re-engagement, Loyalty und Retention-only werden ausgerollt, für Performance Max, Search und Shopping.
Google beschreibt den Kern so: Mit der Option „Multiply by“ können Gebote dynamisch mit der vorhergesagten Warenkorbgröße skalieren. Ein fester Zusatzwert von 20 Dollar auf einem kleinen Warenkorb von 50 Dollar könne zu aggressiv sein.
Kurz gesagt: Der Neukundenbonus wird vom Festbetrag zum Prozentwert. Er bleibt damit im Verhältnis zum Warenkorb stabil, statt kleine Bestellungen zu überhöhen und große zu unterschätzen.
2. Fester Bonus oder Multiplikator: die Rechnung
Am deutlichsten wird der Unterschied an Zahlen. Google nennt als Beispiel einen Faktor von 1,2x: Aus 100 Dollar Kaufwert werden 120 Dollar, aus 500 Dollar werden 600 Dollar. ppc.land hat diesen Faktor außerdem mit einem festen Bonus von 20 Dollar verglichen:
Ein 1,2x-Multiplikator liegt dagegen bei jedem Warenkorb bei 20 Prozent. Die Grafik stellt beide Varianten nebeneinander. Die Prozentwerte ergeben sich aus den Beispielen von ppc.land: 20 durch 50, 20 durch 100 und 20 durch 1.000.
Beispielrechnung nach ppc.land (Dollarbeträge), Stand: 28. Oktober 2026. Die Prozentwerte sind daraus abgeleitet.
Im absoluten Betrag sieht es so aus: Beim 50-Dollar-Warenkorb ergibt der Multiplikator 60 Dollar, der feste Bonus dagegen 70 Dollar. Bei 100 Dollar liegen beide mit 120 Dollar gleichauf. Beim 1.000-Dollar-Warenkorb ergibt der Multiplikator 1.200 Dollar, der feste Bonus nur 1.020 Dollar. Wer bisher einen festen Betrag nutzte, hat also kleine Bestellungen eher über- und große eher unterbewertet.
3. High Value Mode und die drei Retention-Modi
Neben den Multiplikatoren gibt es zwei weitere Bausteine, die sich leicht verwechseln lassen:
- High Value Mode (Neukundenakquise): Die Gebote zielen auf Neukunden mit hohem erwartetem Wert. Google hat ihn laut Thread für Shopping-Kampagnen angekündigt. Für Search ist die Historie laut ppc.land unklar.
- Retention-Modi: Re-engagement (ruhende Kunden zurückholen), Loyalty (treue Kunden halten) und Retention-only (ausschließlich Bestandskunden). Sie betreffen Performance Max, Search und Shopping.
Für die meisten KMU ist zunächst nur eine Frage relevant: Will ich Neukunden stärker gewichten, ja oder nein? Die Retention-Modi setzen gepflegte Kundenlisten voraus und lohnen sich erst, wenn der Bestandskundenanteil am Umsatz spürbar ist.
4. Wo die Funktion gilt und was noch offen ist
Laut Google gelten die Multiplikatoren in Search, Shopping, Performance Max und Demand Gen, in Google Ads und Search Ads 360. Der Rollout soll nach Googles Angabe im Oktober 2026 global erfolgen. Ob und wann ein einzelnes Konto die Option sieht, kann abweichen.
Eine harte Voraussetzung nennt die Oberfläche: Die Segmente, mit denen Google Neu- und Bestandskunden trennt, brauchen mindestens 1.000 aktive Mitglieder. Bei kleinen Kundenlisten ist das die erste Hürde.
Noch offen: Google sagt nicht, ob Multiplikatoren auch für Retention-Ziele gelten. Alle Beispiele betreffen Neukunden. Unklar ist ebenfalls, ob der Faktor beim Gebot in der Auktion, am gemeldeten Conversion-Wert oder an beidem ansetzt. Planen Sie deshalb mit Beobachtung statt mit festen Erwartungen.
5. Für wen sich das im Mittelstand lohnt
Die Beispiele von Google beziehen sich auf Käufe mit schwankendem Warenkorb. Am meisten profitieren daher Online-Shops und Händler, bei denen Bestellwerte stark streuen und Wiederkäufer einen großen Teil der Conversions ausmachen. Dort verhindert der Prozentwert, dass Google kleine Erstkäufe zu teuer einkauft.
Für Dienstleister und B2B-Unternehmen mit Lead-Conversions ist der Nutzen kleiner. Er entsteht erst, wenn Anfragen mit unterschiedlichen Werten hinterlegt sind, zum Beispiel nach Qualität oder erwartetem Auftragsvolumen. Wie das gelingt, zeigt unser Beitrag zu Conversion-Werten für Leads. Das ist unsere Einschätzung, Google trifft dazu keine Aussage.
6. Einrichtung: so gehen Sie vorsichtig vor
Die Umstellung ist schnell gemacht, die saubere Vorbereitung entscheidet über das Ergebnis. Die folgende Checkliste ist unsere Empfehlung für den Einstieg.
7. Worauf Sie achten sollten
Ein höherer Faktor bedeutet höhere Gebote für Nutzer, die Google als neue Kunden einstuft. Das kann den Neukundenanteil erhöhen, aber auch die Kosten pro Conversion. Ein Faktor, der aus dem Bauch gewählt wird, kann Marge kosten.
Hinzu kommt die Datenbasis: Der Multiplikator wirkt nur so gut wie die Conversion-Werte und die Kundenlisten dahinter. Stimmt die Zuordnung zwischen Bestandskunden und Neukunden nicht, bewertet Google die falschen Nutzer höher. Zur Frage, wie sich Zielwert-Änderungen auf die Lernphase auswirken, lesen Sie auch unseren Beitrag zur Google-Ads-Lernphase.
8. Fazit: ein Prozentwert statt einer Pauschale
Der Wechsel vom Festbetrag zum Multiplikator ist eine Verbesserung der Logik: Der Neukundenbonus passt sich dem Warenkorb an. Für Shops mit stark streuenden Bestellwerten kann das die Gebote fairer verteilen. Für Unternehmen mit gleichförmigen Lead-Werten ändert sich wenig.
Unsere Einschätzung: Starten Sie klein, dokumentieren Sie Ihre Ausgangswerte und nutzen Sie den Multiplikator nur dort, wo Sie den Wert eines Neukunden belegen können. Die offenen Punkte bei Retention-Zielen und beim Zeitpunkt der Wirkung sollten Sie im Konto beobachten, statt sie zu unterstellen.
Quellen: ppc.land: Google Ads lets retailers multiply new customer values up to 5x und Dr. Web: Aufschlag für Neukunden wächst jetzt mit dem Warenkorb. Lesen Sie auch: Google Ads: Kanäle priorisieren und Budget deckeln.
9. FAQ: Neukundenwert und Multiplikator in Google Ads
Was hat Google bei den Kundenlebenszyklus-Zielen geändert?
Nach Berichten von ppc.land vom 22. Oktober 2026 verlassen prozentuale Multiplikatoren die Beta. Statt eines festen Zusatzwerts pro Neukunden-Conversion lässt sich ein Faktor von 1,1x bis 5x einstellen, der mit dem Warenkorbwert wächst. Außerdem kommt ein High Value Mode für Neukundenakquise in Shopping-Kampagnen, und drei Retention-Modi werden ausgerollt.
Wo gelten die Multiplikatoren?
Laut Google gelten sie in Search-, Shopping-, Performance-Max- und Demand-Gen-Kampagnen, in Google Ads und Search Ads 360, und sollen im Oktober 2026 global ausgerollt werden. Ob das Konto die Funktion bereits sieht, zeigt die Oberfläche der Kundenlebenszyklus-Ziele.
Brauche ich eine Mindestgröße für die Kundenlisten?
Ja, nach den bisherigen Berichten verlangt die Oberfläche für die Segmente, mit denen Neu- und Bestandskunden unterschieden werden, mindestens 1.000 aktive Mitglieder. Kleinere Listen reichen dafür nicht aus.
Lohnt sich der Multiplikator auch für Leads im B2B?
Die bekannten Beispiele betreffen Käufe mit schwankendem Warenkorb. Wer Leads mit Conversion-Werten arbeitet, sollte zuerst prüfen, ob die Werte überhaupt unterschiedlich hoch sind. Sind alle Anfragen mit demselben Wert hinterlegt, bringt ein Multiplikator kaum Differenzierung. Das ist unsere Einschätzung, keine Google-Aussage.