1. Wie ein Google-Ranking entsteht
Bei der klassischen Suche vergleicht Google Seiten, die zu einer Suchanfrage passen, und ordnet sie in einer Liste. Das Ergebnis ist eine Position: Platz 3 für „Wartungsvertrag Kältetechnik Hamburg“ lässt sich beobachten, über Wochen verfolgen und mit Klicks in der Search Console abgleichen. Die bekannten Hebel sind technische Erreichbarkeit, eine klare Seitenstruktur, Inhalte, die die Suchabsicht treffen, und Verweise von anderen Seiten.
Wichtig für die Budgetplanung: Google selbst schreibt, dass es für AI Overviews und den AI Mode keine zusätzlichen Anforderungen und keine besonderen Optimierungen gibt. Eine Seite muss indexiert sein und mit einem Snippet in der Google-Suche erscheinen dürfen (Google Search Central, „AI features and your website“, zuletzt aktualisiert am 10. Dezember 2025). Wer bei Google sauber aufgestellt ist, hat damit die Eintrittskarte für Googles KI-Antworten bereits in der Hand.
2. Wie eine KI-Empfehlung entsteht
Ein KI-Assistent liefert keine Liste, sondern eine formulierte Antwort. Dafür sucht das System zunächst passende Quellen, wählt Textabschnitte aus und fasst sie zusammen. Google beschreibt für seine KI-Funktionen ein Verfahren namens „query fan-out“: Aus einer Frage werden mehrere verwandte Suchen über Unterthemen und Datenquellen hinweg. Eine einzelne Frage eines Einkäufers kann also dazu führen, dass Ihre Seite zu einem Teilaspekt herangezogen wird, obwohl sie für die Hauptfrage gar nicht auf Platz 1 steht.
Außerhalb von Google gelten eigene Zugangsregeln. OpenAI unterscheidet mehrere Crawler: OAI-SearchBot für die Suche in ChatGPT, GPTBot für das Training von Modellen und ChatGPT-User für Abrufe, die ein Nutzer auslöst. Laut OpenAI werden Seiten, die OAI-SearchBot in der robots.txt ausschließen, nicht in den Suchantworten von ChatGPT gezeigt (OpenAI, „Overview of OpenAI Crawlers“). Wer GPTBot sperrt, um das Training zu verhindern, blockiert damit nicht automatisch die Suche. Diese Unterscheidung ist in vielen Firmen-Websites bisher nicht bewusst getroffen worden.
Die Grundlagen überschneiden sich, Ziel und Messung unterscheiden sich deutlich.
3. Was die Forschung zu GEO sagt – und was nicht
Der Begriff geht auf eine Studie von Aggarwal und Kollegen zurück, die 2024 auf der Konferenz KDD angenommen wurde. Die Autoren berichten, dass gezielte Anpassungen die Sichtbarkeit in generativen Antworten um bis zu 40 Prozent steigern können – gemessen in ihrem eigenen Testaufbau „GEO-bench“. Diese Zahl wird oft zitiert, als gelte sie für jede Website. Das ist nicht der Fall.
Eine kritische Übersichtsarbeit von Olivier Martinez (Juli 2026) fasst spätere Untersuchungen zusammen. Darin wird eine Studie von Puerto und anderen (2025) zitiert, nach der von 54 geprüften Kombinationen aus Methode und Themenfeld nur drei einen signifikant positiven Effekt zeigten. Eine weitere dort zitierte Arbeit (Kirsten und andere, 2026) fand, dass sich die in AI Overviews genannten Seiten über zwei Monate nur zu 18 Prozent überschneiden, bei den organischen Google-Ergebnissen zu 45 Prozent. Außerdem hält die Übersicht fest, dass Keyword-Stuffing aus der klassischen Suchmaschinenoptimierung sich nicht wirksam auf generative Systeme übertragen lässt.
Für Entscheider folgt daraus zweierlei: Es gibt kein allgemeingültiges GEO-Rezept, und einzelne Stichproben („Ich habe ChatGPT gefragt, wir kamen nicht vor“) sagen wenig. Wer KI-Sichtbarkeit bewerten will, muss dieselben Fragen mehrfach und über einen Zeitraum stellen.
4. Wo sich SEO und GEO überschneiden
In der Praxis wirken viele Maßnahmen auf beides:
- Technische Lesbarkeit: Inhalte, die erst per JavaScript nachgeladen werden oder hinter Cookie-Bannern verschwinden, erreichen weder Googlebot zuverlässig noch die Crawler der KI-Anbieter.
- Klare Antworten: Ein Absatz, der eine konkrete Frage in wenigen Sätzen beantwortet, eignet sich als Snippet in der Google-Suche und als zitierfähiger Abschnitt für eine KI-Antwort.
- Nachprüfbare Angaben: Zahlen mit Quelle, Namen von Ansprechpartnern, Leistungsumfang und Region machen eine Seite für Menschen und Maschinen einordenbar.
- Strukturierte Daten: Schema.org-Auszeichnungen für Organisation, Leistungen und häufige Fragen helfen Suchsystemen, Zusammenhänge zu erkennen.
5. Wo sie sich unterscheiden
Der größte Unterschied liegt in der Messbarkeit. Ein SEO-Bericht zeigt Positionen und Klicks. Für KI-Sichtbarkeit gibt es erst Ansätze. Google stellt in der Search Console seit dem 31. August 2026 weltweit einen eigenen Bericht zur Leistung in generativer KI bereit. Er zeigt, wie oft Links zu Ihrer Website in AI Overviews und im AI Mode angezeigt wurden, aufgeschlüsselt nach Seiten, Ländern und Gerätetyp (Search-Console-Hilfe, „Generative AI performance report“). Für ChatGPT, Perplexity und andere Assistenten gibt es keinen vergleichbaren gemeinsamen Maßstab.
Ein zweiter Unterschied: Bei GEO zählt oft nicht die ganze Seite, sondern ein einzelner Abschnitt. Lange Fließtexte ohne Zwischenüberschriften, in denen die eigentliche Aussage im vierten Absatz steht, werden seltener als Quelle herangezogen als klar gegliederte Seiten mit einer Kernaussage je Abschnitt.
Drittens spielen Erwähnungen außerhalb der eigenen Website eine größere Rolle. KI-Assistenten stützen Empfehlungen auch auf Branchenverzeichnisse, Fachartikel, Bewertungsportale oder Beiträge in Foren. Ein Unternehmen, das nur auf der eigenen Seite über sich spricht, liefert dem System wenig Material für eine Empfehlung.
6. Wie Sie das Budget aufteilen
Eine pauschale Quote gibt es nicht. Sinnvoll ist eine Reihenfolge:
Die Schritte bauen aufeinander auf; spätere Maßnahmen wirken nur, wenn die früheren stehen.
Solange die ersten beiden Schritte nicht erledigt sind, lohnt kein eigenes GEO-Budget. Sind sie erledigt, verschiebt sich der Aufwand hin zu Inhalten und Erwähnungen, die in beiden Welten wirken.
7. Checkliste
- Search Console prüfen: Sind Ihre Leistungsseiten indexiert und dürfen sie mit Snippet erscheinen?
- robots.txt ansehen: Welche KI-Crawler sind erlaubt, welche gesperrt – und war das eine bewusste Entscheidung?
- Jede Leistungsseite beginnt mit einem Absatz, der in drei bis vier Sätzen sagt, was Sie für wen und wo anbieten.
- Zahlen und Aussagen auf der Website mit Quelle oder Beleg versehen.
- Strukturierte Daten für Organisation und Leistungen einbauen oder prüfen lassen.
- Zehn typische Kundenfragen festlegen und sie über einige Wochen mehrfach in ChatGPT, Perplexity und Google stellen.
- Erwähnungen außerhalb der eigenen Website auflisten: Verzeichnisse, Fachartikel, Verbände.
8. Fazit
SEO und GEO sind keine Gegensätze, sondern zwei Blickwinkel auf dieselbe Aufgabe: Ihre Inhalte auffindbar, verständlich und glaubwürdig zu machen. Wer die Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung beherrscht, hat den größten Teil der Arbeit für KI-Sichtbarkeit bereits getan. Die Einschränkung: Wie KI-Assistenten Quellen auswählen, ist nur teilweise offengelegt, und die Ergebnisse schwanken stark. Jede Aussage über „garantierte“ KI-Sichtbarkeit sollten Sie deshalb kritisch prüfen.
9. Häufige Fragen
Ist GEO das neue SEO?
Nein. GEO baut auf SEO auf. Google gibt an, dass für AI Overviews und AI Mode keine zusätzlichen Anforderungen gelten – eine indexierte, snippetfähige Seite ist die Voraussetzung. Neu sind vor allem die Messung und der Blick auf einzelne Textabschnitte statt ganzer Seiten.
Brauche ich für ChatGPT eine eigene Optimierung?
Zumindest eine technische Prüfung: OpenAI nutzt für die Suche in ChatGPT den Crawler OAI-SearchBot. Wird er in der robots.txt ausgeschlossen, erscheinen Ihre Seiten laut OpenAI nicht in den Suchantworten. Inhaltlich gelten weitgehend dieselben Grundsätze wie für Google.
Wie messe ich, ob KI-Assistenten mein Unternehmen empfehlen?
Für Google gibt es seit Ende August 2026 den Bericht zur Leistung in generativer KI in der Search Console. Für andere Assistenten gibt es keinen Standard; praktikabel sind dort wiederholte Stichproben mit festen Fragen über mehrere Wochen und die Auswertung von Besuchen, die aus KI-Diensten auf Ihre Website kommen. Einzelne Abfragen sind wenig aussagekräftig, weil die Antworten stark schwanken.
Stimmt es, dass GEO die Sichtbarkeit um 40 Prozent erhöht?
Die Zahl stammt aus der ursprünglichen GEO-Studie und bezieht sich auf deren eigenen Testaufbau. Spätere Untersuchungen fanden in vielen Themenfeldern keinen signifikanten Effekt der untersuchten Methoden. Als Zusage für die eigene Website taugt die Zahl daher nicht.
Womit sollte ein mittelständisches Unternehmen anfangen?
Mit der Technik und den wichtigsten Leistungsseiten. Wenn Google und die KI-Crawler Ihre Seiten lesen können und jede Seite eine klare Antwort gibt, ist die Grundlage für beide Kanäle gelegt. Erst danach lohnt sich gezielte Arbeit an Erwähnungen außerhalb der eigenen Website.