Am 18. September 2026 berichtete Search Engine Roundtable, dass Google seit etwa dem 13. September deutlich erfolgreicher darin ist, KI-Scraper, Such-Scraper und Tracking-Tools von Drittanbietern zu blockieren. Derek Perkins vom Rank-Tracking-Anbieter Nozzle beziffert den Rückgang der abrufbaren Daten auf rund 80 Prozent – und beobachtet dasselbe beim Datenlieferanten DataForSEO. Sistrix bestätigt auf seiner Statusseite seit dem 16. September eine „reduzierte Erhebungsrate“.
Für ein kleines oder mittleres Unternehmen klingt das nach einem Problem der Tool-Anbieter. Es ist aber vor allem Ihr Problem: Wenn der Sichtbarkeitsindex im Wochenreport um 40 Prozent fällt, wenn die Agentur „dringenden Handlungsbedarf“ meldet oder wenn Sie selbst nervös Texte umschreiben – dann reagieren Sie womöglich auf eine Datenlücke, nicht auf einen Ranking-Verlust. Dieser Beitrag erklärt, was passiert ist, welche Zahlen Sie gerade nicht glauben sollten und welche Sie stattdessen heranziehen.
1. Seit dem 13. September: Google gewinnt gegen die Scraper
Jedes SEO-Tool, das Ihnen Rankings, einen Sichtbarkeitsindex oder Wettbewerber-Keywords zeigt, muss dafür Googles Suchergebnisse abrufen – automatisiert, millionenfach, für jede Keyword-Standort-Kombination einzeln. Google hat das nie gern gesehen und seit rund einem Jahr in immer kürzeren Abständen Gegenmaßnahmen getestet. Steve Paine von Sistrix beschreibt es so: Google verändere seit etwa einem Jahr kontinuierlich, wie Suchergebnisse ausgeliefert werden – derzeit in sehr hohem Tempo.
Neu ist seit Mitte September, dass die Sperren flächendeckend greifen. Der Zeitpunkt fällt zusammen mit den unbestätigten Ranking-Updates vom 4. und 12. September und dem Update vom 15. September – also genau mit den Tagen, an denen viele Website-Betreiber ohnehin auf ihre Rankings starren. Eine ungünstige Mischung: echte Bewegung in den Ergebnissen und gleichzeitig Werkzeuge, die diese Bewegung nur noch bruchstückhaft erfassen.
Kurz gesagt: Ein Sichtbarkeitseinbruch in Ihrem SEO-Tool nach dem 13. September 2026 ist so lange ein Verdacht und kein Befund, bis die Google Search Console ihn bestätigt.
2. Wie Google Bots aussperrt: goto, Anmeldung, „Continue“, Captcha
Google setzt nicht auf eine einzelne Sperre, sondern auf mehrere Verfahren, die zusammen ein automatisiertes Abrufen teuer und unzuverlässig machen:
- goto-Weiterleitungen: Seit August laufen Ergebnislinks über
google.com/goto-Parameter. Für Menschen ändert sich nichts, für Tools wird das Auslesen der Ziel-URL aufwendiger. Was das für Ihre eigene Messung bedeutet, haben wir in unserem Beitrag zu den goto-Redirects beschrieben. - Anmeldung vor den Ergebnissen: Anfang August testete Google, Suchende zur Anmeldung mit einem Google-Konto aufzufordern, bevor Ergebnisse erscheinen – ein Bot hat in der Regel kein Konto.
- „Verifying your request“ mit Continue-Button: Seit dem 1. September wird ein Zwischenbildschirm getestet, auf dem der Weiter-Button erst nach einigen Sekunden aktiv wird, sobald Google die Anfrage als menschlich einstuft. Belegt ist der Test auch für französischsprachige Ergebnisseiten.
- Klassische Captchas: Das älteste Mittel bleibt im Einsatz, vor allem bei auffälligen Abfragemustern.
Parallel geht Google juristisch vor: Die Klage gegen den Datenlieferanten SerpApi wurde im August erweitert. Und Google ist nicht allein – seit dem 18. September fragt auch Bing in Tests, ob wirklich ein Mensch sucht. Die Richtung ist eindeutig: Die Suchmaschinen wollen Menschen auf ihren Ergebnisseiten, keine Maschinen.
3. Welche Tools betroffen sind – und welche Daten nicht
Die entscheidende Unterscheidung lautet nicht „gutes Tool“ gegen „schlechtes Tool“, sondern Scraper-Daten gegen First-Party-Daten. Alles, was Google-Ergebnisseiten abfragen muss, ist betroffen. Alles, was Google selbst über Ihre Website berichtet oder was Sie auf Ihrer eigenen Website messen, bleibt unberührt.
Quellen: Search Engine Roundtable (18.09.2026), Sistrix-Statusseite (16.09.2026). Stand: 21. September 2026.
Wichtig: Die Anbieter arbeiten an Gegenmaßnahmen, und die Erhebungsraten schwanken von Tag zu Tag. Ein Tool, das heute Lücken zeigt, kann nächste Woche wieder vollständig liefern – oder umgekehrt. Genau diese Unstetigkeit macht die Daten gerade so schwer zu interpretieren.
4. Ein Absturz, eine Erholung – drei Tools, drei Geschichten
Wie unterschiedlich die Werkzeuge gerade abbilden, zeigt ein Fall, den der SEO-Berater Glenn Gabe am 18. September dokumentiert hat. Eine Website, die er betreut, verlor mit dem unbestätigten Update vom 4. September nahezu ihre gesamte Sichtbarkeit und erholte sich anschließend vollständig – belegt durch die tatsächlichen Besucherzahlen der Website. Dann verglich er, was die drei großen Tools daraus machten:
- Ahrefs erfasste die Erholung.
- Semrush zeigte sie ebenfalls, aber mit Verzögerung.
- Sistrix bildete die Erholung zum Zeitpunkt des Vergleichs nicht ab – dort sah die Website weiterhin wie ein Absturzfall aus.
Dieselbe Website, dieselben Tage, drei verschiedene Diagnosen. Wer sich in diesem Fall allein auf den Sichtbarkeitsindex verlassen hätte, hätte ein Problem bekämpft, das längst nicht mehr existierte. Das ist der eigentliche Kern der Sache: Ein Ranking-Tool ist ein Messgerät, und Messgeräte können falsch gehen. Der Abgleich mit dem echten Traffic ist keine Kür, sondern die Pflicht, bevor irgendjemand eine Entscheidung trifft.
5. Warum gerade kleine Unternehmen jetzt Fehlentscheidungen riskieren
Große Unternehmen haben SEO-Teams, die Search Console, Logfiles und mehrere Tools nebeneinander lesen. Im Mittelstand sieht es oft anders aus: Ein Sichtbarkeitsindex ist die eine Kennzahl, die im Monatsreport der Agentur steht, die der Geschäftsführer versteht und an der Budgetentscheidungen hängen. Genau diese Kennzahl ist jetzt wochenweise unzuverlässig. Daraus entstehen drei typische Fehler:
- Falscher Alarm: Der Index fällt, Texte werden hektisch umgeschrieben, Seiten zusammengelegt oder gelöscht – obwohl die Rankings stabil sind. Solche Eingriffe können echte Verluste erst auslösen.
- Falsche Entwarnung: Das Tool hat die Erholung nicht erfasst oder umgekehrt den Einbruch nicht – und Sie verpassen den Moment, in dem tatsächlich etwas schiefläuft. Das Spam-Update vom August und die September-Updates haben real Websites bewegt.
- Falsche Bewertung der Agentur: Wer seine Agentur am Sichtbarkeitsindex misst, bewertet gerade eher die Scraping-Fähigkeit des Tools als die Arbeit der Agentur – in beide Richtungen.
Hinzu kommt ein bekanntes Muster: Wir sehen in Konto-Analysen regelmäßig, dass Unternehmen monatelang auf falsche Zahlen optimieren, weil niemand die Messung selbst hinterfragt. Die Scraper-Sperren sind nur der aktuellste Anlass, das zu ändern.
6. Woran Sie sich stattdessen orientieren
Die gute Nachricht: Die verlässlichsten Daten sind kostenlos, gehören Ihnen und waren schon immer da. Sie wurden nur oft zugunsten bunter Tool-Dashboards ignoriert.
Google Search Console: Klicks, Impressionen, Position
Die Search Console bezieht ihre Zahlen direkt aus Googles Systemen. Sie zeigt, wie oft Ihre Seiten in der Suche erschienen sind, wie oft geklickt wurde und auf welcher durchschnittlichen Position – pro Seite, pro Suchanfrage, pro Land, pro Gerät. Kein Scraper, keine Lücke. Wer einen Ranking-Einbruch im Tool sieht, öffnet als Erstes den Leistungsbericht und vergleicht die letzten 28 Tage mit dem Vorzeitraum. Seit diesem Sommer gibt es dort zusätzlich den Generative-AI-Bericht, der Impressionen aus AI Overviews und AI Mode ausweist – Daten, die kein Scraper der Welt liefern kann.
Google Analytics 4: organischer Traffic und Conversions
GA4 misst, was auf Ihrer Website tatsächlich ankommt. Sinken organische Sitzungen und Anfragen nicht, während der Sichtbarkeitsindex fällt, ist die Sache klar. Achten Sie dabei auf die Segmentierung nach Kanal – seit Kurzem trennt GA4 auch KI-Traffic in einer eigenen Kanalgruppe.
Leads, Anfragen, Umsatz
Die letzte Instanz ist das CRM oder das Anfrageformular. Rankings sind ein Mittel, keine Zielgröße. Ein Unternehmen, dessen Anfragen stabil bleiben, hat kein akutes SEO-Problem – egal, was ein Index behauptet.
Das eigene Serverlog
Wer wissen will, ob Googlebot noch regelmäßig vorbeikommt und ob KI-Crawler Ihre Seiten lesen, schaut in das Logfile. Wie das geht, zeigt unser Beitrag KI-Crawler im eigenen Serverlog lesen.
7. Das Gesamtbild: Google will Menschen, keine Maschinen
Die Sperren richten sich nicht nur gegen SEO-Tools. Google hat in den letzten Monaten mehrere Fronten gleichzeitig eröffnet: gegen KI-Scraper, die Suchergebnisse als Rohstoff für eigene Antwortmaschinen nutzen; gegen Datenlieferanten wie SerpApi, mit einer im August erweiterten Klage; und gegen Rank-Tracker, die Millionen Abfragen pro Tag erzeugen. Der gemeinsame Nenner: Google verkauft Aufmerksamkeit von Menschen und will nicht, dass Maschinen sie kostenlos abschöpfen.
Für die SEO-Branche bedeutet das eine Verschiebung, die über diesen September hinausreicht. Scraper-basierte Kennzahlen werden teurer, lückenhafter und schwankender – die Anbieter werden Wege finden, aber jedes Katz-und-Maus-Spiel hinterlässt Datenlöcher. First-Party-Daten dagegen werden reichhaltiger: Die Search Console bekommt neue Berichte, GA4 neue Kanalgruppen. Wer sein Reporting heute auf die eigene Datenbasis umstellt, ist für die nächsten Runden gerüstet. Welche Tools im Vergleich wofür taugen, haben wir im großen SEO-Tool-Vergleich zusammengefasst – mit dem Vorbehalt, dass die Erhebungsraten derzeit in Bewegung sind.
8. Checkliste: So prüfen Sie Ihre Rankings in den nächsten Wochen
9. Fazit: Messen Sie, was zählt – nicht, was das Tool gerade sieht
Googles Vorgehen gegen Scraper ist kein kurzer Ausrutscher, sondern eine strategische Linie, die seit einem Jahr an Tempo gewinnt und seit dem 13. September 2026 spürbar greift. SEO-Tools bleiben nützlich – für Keyword-Recherche, Wettbewerbsvergleiche und technische Analysen. Als alleiniger Maßstab für den Erfolg Ihrer Website taugen sie in diesen Wochen nicht.
Die Regel für die nächsten Wochen: Search Console und GA4 entscheiden, ob ein Ranking-Problem existiert. Das SEO-Tool liefert Hinweise, keine Urteile. Und keine Änderung an einer funktionierenden Seite ohne First-Party-Beleg.
Wenn Sie unsicher sind, welche Zahlen in Ihrem Reporting gerade tragen, prüfen wir das gern gemeinsam mit Ihnen – Search Console, GA4 und Tool-Daten nebeneinander, mit klarer Aussage, was echt ist und was Messrauschen.
10. FAQ: Scraper-Sperren und SEO-Daten
Warum zeigt mein SEO-Tool seit Mitte September 2026 plötzlich Ranking-Verluste?
Seit etwa dem 13. September 2026 blockiert Google die automatisierten Abfragen von SEO-Tools deutlich wirksamer. Sistrix meldet auf seiner Statusseite seit dem 16. September eine reduzierte Datenerhebung, Nozzle berichtet von rund 80 % weniger abrufbaren Daten. Ein Einbruch im Tool kann daher eine Datenlücke sein und kein echter Ranking-Verlust. Prüfen Sie Klicks und Impressionen in der Google Search Console, bevor Sie handeln.
Ist die Google Search Console von den Scraper-Sperren betroffen?
Nein. Die Search Console bezieht ihre Daten direkt aus Googles eigenen Systemen und muss die Suchergebnisse nicht abfragen. Klicks, Impressionen, Klickrate und durchschnittliche Position bleiben verlässlich. Dasselbe gilt für Google Analytics 4, das den tatsächlichen Traffic auf Ihrer Website misst.
Welche SEO-Tools sind betroffen und wie stark?
Betroffen sind alle Tools, die Google-Suchergebnisse automatisiert abrufen: Rank-Tracker, Sichtbarkeitsindizes und Datenlieferanten wie DataForSEO. Nozzle nennt rund 80 % Datenverlust, Sistrix eine reduzierte Erhebungsrate. Ein Vergleich von Glenn Gabe zeigt, dass Ahrefs eine reale Erholung erfasste, Semrush sie verzögert zeigte und Sistrix sie zunächst nicht abbildete. Die Lage ändert sich laufend, weil die Anbieter ihre Verfahren anpassen.
Wie sperrt Google Scraper konkret aus?
Google setzt mehrere Verfahren parallel ein: Weiterleitungen über google.com/goto in den Ergebnislinks, eine Aufforderung zur Anmeldung vor der Anzeige von Ergebnissen, einen „Continue“-Button, der erst nach Prüfung der Anfrage aktiv wird, sowie die klassischen Captchas. Seit dem 18. September fragt auch Bing in Tests nach, ob ein Mensch sucht. Parallel klagt Google gegen den Datenlieferanten SerpApi.