Dynamic Search Ads – kurz DSA – gehörten seit 2011 zum Standardwerkzeug vieler Google-Ads-Konten: Google liest die Website, bildet daraus Anzeigentitel und wählt die passende Zielseite, ohne dass jemand Keywords pflegen muss. Für Online-Shops mit vielen Produkten und für Dienstleister mit umfangreichen Leistungsseiten war das ein zuverlässiger Lückenfüller neben den Keyword-Kampagnen.
Damit ist bald Schluss. Google hat im April 2026 angekündigt, DSA in AI Max für Suchkampagnen aufgehen zu lassen, den Termin im Juni auf Februar 2027 verschoben und seit September 2026 Hinweise in die Konten gestellt. Dieser Beitrag ordnet ein, was technisch passiert, wo die Risiken liegen und wie sich der Umstieg so vorbereiten lässt, dass das Budget nicht im Februar unbeaufsichtigt in neue Suchbegriffe läuft.
1. Was Dynamic Search Ads waren – und warum Google sie abschafft
DSA funktionierten nach einem einfachen Prinzip: Statt Keywords gab man Google eine Website, einen Seitenfeed oder einzelne Kategorien. Googles Index entschied, für welche Suchanfragen die Seiten relevant sind, erzeugte den Anzeigentitel dynamisch und schickte den Nutzer auf die passende URL. Beschreibungstexte, Gebote und Ausschlüsse blieben in der Hand des Werbetreibenden.
Genau diese Mechanik hat Google in den vergangenen zwei Jahren Stück für Stück in normale Suchkampagnen eingebaut. AI Max bündelt Search-Term-Matching (Reichweite über die Keywords hinaus), Text-Anpassung (Anzeigentexte aus Anzeigen und Landingpages) und Final-URL-Expansion (Zielseite je Suchanfrage). Die dritte Funktion ist im Kern das, was DSA immer getan hat. Aus Googles Sicht gibt es damit keinen Grund mehr für einen separaten Kampagnentyp – und aus Sicht der Werbetreibenden einen Kampagnentyp weniger, den man gezielt an- oder abschalten konnte.
Kurz gesagt: DSA war eine Funktion mit klaren Grenzen: Website rein, Suchanfragen aus dem Index, sonst nichts. AI Max ist ein Paket aus drei Funktionen, das bei der Migration komplett aktiviert wird. Der Unterschied liegt weniger in der Landingpage-Wahl als in dem, was zusätzlich dazukommt.
2. Der Zeitplan: alle Termine bis Februar 2027
Google hat den Fahrplan für den Abschied von den drei „Legacy“-Funktionen – Broad Match auf Kampagnenebene, automatisch erstellte Assets (ACA) und DSA – im August 2026 vollständig veröffentlicht. DSA bekommt als einzige Funktion einen Aufschub bis ins neue Jahr; der ursprünglich geplante September-Termin wurde nach Rückmeldungen zum Weihnachtsgeschäft verschoben.
Nur DSA wurde verschoben. Broad Match auf Kampagnenebene und ACA laufen bereits seit dem 1. September 2026 in die automatische Umstellung.
Für KMU heißt das konkret: Zwischen dem heutigen Kontohinweis und der Zwangsmigration liegen rund fünf Monate, davon das komplette vierte Quartal. Wer den Umstieg im Weihnachtsgeschäft vermeiden will, hat zwei Fenster: den Oktober vor dem Peak oder den Januar danach.
3. Was AI Max anders macht als DSA
Der wichtigste Unterschied ist struktureller Natur: DSA war ein Kampagnen- bzw. Anzeigengruppentyp, AI Max ist eine Einstellung innerhalb bestehender Suchkampagnen. Nach der Migration gibt es keine „DSA-Kampagne“ mehr, sondern eine Suchkampagne, in der drei Funktionen aktiv sind. Das ändert, wie Sie steuern, berichten und ausschließen.
- Final-URL-Expansion übernimmt die Rolle der DSA-Zielseitenwahl: Google wählt je Suchanfrage eine Landingpage aus Ihrer Domain, auch wenn sie nicht als finale URL hinterlegt ist. URL-Ausschlüsse und Seitenfeeds bleiben nutzbar.
- Search-Term-Matching hatte DSA in dieser Form nicht. Es erweitert die Auslieferung über die Keywords der Kampagne hinaus – vergleichbar mit Broad Match plus Landingpage-Kontext. Das ist die Funktion, die nach der Migration am meisten neue Suchbegriffe bringt.
- Text-Anpassung erzeugt Anzeigentitel und Beschreibungen aus vorhandenen Anzeigen und Landingpages. DSA erzeugte nur Titel; die Beschreibungen schrieb der Werbetreibende. Nach der Migration kann Google beides verändern.
- Reporting: Statt DSA-Kategorien und Zielseitenberichten gibt es Suchbegriff-Berichte und – laut Google in Vorbereitung – ein kontoweites Reporting zur Final-URL-Expansion mit Kennzahlen je Landingpage und der Möglichkeit, Seiten direkt aus der Tabelle auszuschließen.
Google beziffert den Vorteil des vollen AI-Max-Pakets auf rund 7 % mehr Conversions oder Conversion-Wert bei ähnlichem CPA bzw. ROAS. Das ist ein Durchschnittswert aus Googles eigenen Tests, kein Versprechen für ein einzelnes Konto. Bei neu angelegten Suchkampagnen ist AI Max seit Juni 2026 ohnehin standardmäßig aktiv – abschalten lässt es sich weiterhin.
4. Was bei der automatischen Umstellung passiert
Google beschreibt die Migration als „in place“: Die Kampagne wird nicht kopiert, sondern mit den nächstliegenden AI-Max-Einstellungen weitergeführt. Nach den bisherigen Angaben werden übernommen:
- URL-Steuerungen: Seitenfeeds, Kategorien und URL-Ausschlüsse der DSA-Kampagne werden auf die Final-URL-Expansion übertragen.
- Marken-Einschlüsse und -Ausschlüsse: Bestehende Markenlisten laufen weiter – das hat Google für die September-Migration von Broad Match und ACA ausdrücklich zugesichert, und dieselbe Logik gilt für DSA.
- Gebote, Budgets, Zielgruppen, negative Keywords: bleiben auf Kampagnen- und Anzeigengruppenebene erhalten.
Was nicht übernommen wird, weil es kein Gegenstück gibt: die Beschränkung auf reine Zielseitenwahl. Nach der Migration sind alle drei AI-Max-Funktionen aktiv, auch Search-Term-Matching und Text-Anpassung. Wer nur das DSA-Verhalten behalten will, muss diese beiden Funktionen nach der Migration selbst deaktivieren – und zwar in jeder betroffenen Kampagne.
Hinweis: Eine DSA-Anzeigengruppe, die neben Keyword-Anzeigengruppen in derselben Kampagne lief, wird nach der Migration Teil einer Kampagne mit aktivem Search-Term-Matching. Die Keyword-Anzeigengruppen derselben Kampagne erhalten dadurch ebenfalls erweiterte Reichweite. Prüfen Sie deshalb nicht nur die DSA-Anzeigengruppe, sondern die gesamte Kampagne.
5. Die drei Risiken: Suchbegriffe, Landingpages, Budget
5.1 Suchbegriffe, die vorher nicht ausgelöst haben
DSA lieferte nur aus, wenn der Index eine Seite als relevant einstufte. Search-Term-Matching geht weiter: Es nutzt Keywords, Landingpages und Anzeigentexte als Signal und kann Suchanfragen erreichen, die mit keinem Keyword und keiner Seite eindeutig verknüpft sind. In der Praxis zeigen sich in den ersten Wochen nach der Umstellung häufig neue Begriffe – Wettbewerbernamen, Informationssuchen, benachbarte Produktkategorien. Ohne gepflegte Ausschlusslisten fließt Budget dorthin.
5.2 Landingpages, die nicht für Anzeigen gedacht waren
Die Final-URL-Expansion darf grundsätzlich jede indexierte Seite der Domain wählen. Blogartikel, Karriere-Seiten, AGB, Filialseiten mit veralteten Öffnungszeiten – alles, was nicht per URL-Ausschluss gesperrt ist, ist ein möglicher Anzeigenziel. Bei DSA galt das ebenfalls, aber viele Konten hatten dort über Jahre Ausschlussregeln aufgebaut. Ob diese vollständig übertragen werden, sollte nach der Migration jede Kampagne einzeln bestätigen.
5.3 Budget, das im ersten Monat woanders landet
Smart Bidding lernt nach jeder strukturellen Änderung neu. Google spricht bei neuen AI-Max-Kampagnen von schnelleren ersten Conversions in den ersten zwei Wochen – für migrierte Kampagnen mit historischen Daten heißt das aber auch: Die Gebotsstrategie testet neue Suchbegriffe und Landingpages, bevor sie sie bewertet. Wer im Februar 2027 ein straffes Budget hat, sollte einen Puffer für diese Lernphase einplanen oder die Migration bewusst in den Januar vorziehen.
6. Manuell umstellen oder warten?
Google empfiehlt ausdrücklich die manuelle Umstellung über die Upgrade-Werkzeuge, die seit Sommer 2026 in den Konten erscheinen. Das Argument ist nachvollziehbar: Wer selbst umstellt, bestimmt den Zeitpunkt, sieht die Einstellungen vor der Aktivierung und kann Funktionen sofort abwählen. Bei der automatischen Migration erfährt man das Ergebnis erst im Konto.
Für KMU lässt sich das auf eine einfache Regel bringen:
- DSA ist ein kleiner Teil des Budgets (unter 15 %): Im Oktober manuell umstellen, zwei bis vier Wochen beobachten, Ausschlüsse nachziehen. Das Weihnachtsgeschäft läuft dann bereits mit der neuen Struktur, ohne dass die Lernphase in den Peak fällt.
- DSA ist ein tragender Teil (über 15 %) oder der Shop lebt vom Q4: Nicht im Oktober oder November anfassen. Im Januar 2027 manuell umstellen, spätestens in der Woche nach der Google-Erinnerung vom 15. Januar. So bleibt ein Monat Beobachtung vor der Zwangsmigration.
- Auf die Automatik warten: Nur vertretbar, wenn DSA ein vernachlässigbarer Restposten ist und die Kampagne ohnehin überarbeitet werden soll. Dann besser gleich pausieren und im neuen Format neu aufsetzen.
Wichtig für Agenturkunden: Fragen Sie Ihre Agentur nicht, ob sie umstellt, sondern wann und mit welchen Ausschlüssen. Im Beitrag zur automatischen AI-Max-Umstellung im September 2026 haben wir beschrieben, wie die erste Welle für Broad-Match-Konten abgelaufen ist – die DSA-Migration folgt derselben Mechanik.
7. Kontrolle behalten: URL-Regeln, Marken, negative Keywords
AI Max ist nicht ohne Steuerung. Google hat parallel zur Migration die Kontrollmöglichkeiten ausgebaut, und die meisten davon sind auch für kleine Konten ohne Skripte umsetzbar:
- URL-Ausschlüsse und URL-Einschlüsse: Die Final-URL-Expansion lässt sich auf Kampagnenebene auf bestimmte Seitenpfade beschränken oder für Pfade sperren (etwa
/blog/,/karriere/,/agb). Wer einen Seitenfeed aus der DSA-Zeit hat, kann ihn weiter als Positivliste nutzen. - Markenlisten: Marken-Einschlüsse begrenzen die Auslieferung auf die eigene Marke oder bestimmte Marken, Marken-Ausschlüsse sperren Wettbewerber. Beides greift auch für Suchbegriffe, die Search-Term-Matching neu findet.
- Negative Keywords: Bestehende Listen wirken weiter. Nach der Migration lohnt ein wöchentlicher Blick in den Suchbegriff-Bericht für mindestens vier Wochen – das ist die Phase, in der die neuen Begriffe auftauchen.
- Funktionen einzeln abschalten: Search-Term-Matching und Text-Anpassung lassen sich je Kampagne deaktivieren. Wer nur das DSA-Verhalten will, behält nur die Final-URL-Expansion aktiv.
- Landingpage-Bericht prüfen: Bis das angekündigte FUE-Reporting da ist, zeigt der Bericht „Landingpages“ mit Segmentierung nach Suchbegriff, welche Seiten die Expansion tatsächlich wählt.
Diese Regeln sind kein Einmal-Setup. Bei jeder Änderung an der Website – neue Kategorien, neue Blogbeiträge, Relaunch – kann die Final-URL-Expansion neue Seiten entdecken. Ein Grund mehr, warum wir in der Google-Ads-Kontoanalyse die URL-Regeln immer zusammen mit der Seitenstruktur prüfen.
8. Checkliste: So bereiten KMU den Umstieg vor
Sie möchten den DSA-Umstieg nicht allein durchführen? Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch – wir prüfen Ihr Konto und legen den Zeitpunkt gemeinsam fest.
9. Fazit: Ein Pflichttermin, kein Automatismus
Das Ende der Dynamic Search Ads ist kein Drama, aber auch kein Vorgang, den man Google einfach überlassen sollte. Die Landingpage-Wahl, die DSA ausgemacht hat, lebt in der Final-URL-Expansion weiter. Neu sind die beiden anderen Funktionen, die bei der automatischen Migration mitkommen – und die entscheiden darüber, ob das Konto im Februar 2027 mit denselben Suchbegriffen weiterläuft oder mit einem deutlich breiteren Spektrum.
Wer den Umstieg selbst terminiert, die Ausschlüsse vorher pflegt und die ersten vier Wochen aufmerksam begleitet, wird aus AI Max wahrscheinlich mehr herausholen als aus DSA. Wer wartet, bekommt dasselbe Ergebnis – nur ohne den Blick darauf, was sich geändert hat.
Unsere Einschätzung: Für die meisten KMU ist der Januar 2027 das richtige Fenster – nach dem Weihnachtsgeschäft, vor der Zwangsmigration, mit einem vollen Monat zur Beobachtung. Wer DSA nur als kleinen Lückenfüller nutzt, kann bereits im Oktober umstellen und hat das Thema vor dem Jahresende erledigt.
Lesen Sie auch: Google Ads AI Max: Der automatische Umstieg kommt am 1. September 2026 und Google Ads Performance Max 2026: Die wichtigsten Updates.
10. FAQ: Die wichtigsten Fragen zum DSA-Ende
Wann werden Dynamic Search Ads abgeschaltet?
Google stellt bestehende Dynamic-Search-Ads-Kampagnen und -Anzeigengruppen zwischen dem 1. und 28. Februar 2027 automatisch auf AI Max für Suchkampagnen um. Ab diesem Zeitpunkt lassen sich keine neuen DSA-Anzeigengruppen mehr anlegen. Ursprünglich war die Umstellung für September 2026 geplant; Google hat den Termin im Juni 2026 nach Rückmeldungen von Werbetreibenden um fünf Monate verschoben.
Was ist der Unterschied zwischen Dynamic Search Ads und AI Max?
Dynamic Search Ads waren ein eigener Kampagnen- bzw. Anzeigengruppentyp, der Anzeigentitel und Ziel-URL aus dem Website-Inhalt erzeugte. AI Max ist kein eigener Kampagnentyp, sondern ein Funktionspaket innerhalb normaler Suchkampagnen: Search-Term-Matching erweitert die Reichweite über die Keywords hinaus, Text-Anpassung erzeugt Anzeigentexte aus Anzeigen und Landingpages, und Final-URL-Expansion wählt je Suchanfrage die passende Landingpage. Bei der Migration werden alle drei Funktionen standardmäßig aktiviert.
Sollte ich DSA manuell auf AI Max umstellen oder auf die automatische Migration warten?
Google empfiehlt die manuelle Umstellung über die Upgrade-Werkzeuge im Konto, weil sie mehr Kontrolle über den Zeitpunkt und die Einstellungen bietet. Für KMU ist ein kontrollierter Umstieg im vierten Quartal 2026 oder im Januar 2027 sinnvoll: Erst URL-Ausschlüsse, Markenlisten und negative Keywords prüfen, dann eine Kampagne testweise umstellen und die Suchbegriff- und Landingpage-Berichte zwei bis vier Wochen lang beobachten, bevor der Rest folgt.
Was passiert mit meinen DSA-Einstellungen bei der automatischen Umstellung?
Laut Google werden die bisherigen Einstellungen so nah wie möglich übernommen. Bestehende URL-Steuerungen (Seitenfeeds, Kategorien, URL-Ausschlüsse) werden übertragen, ebenso Marken-Einschlüsse und -Ausschlüsse. Gleichzeitig werden alle drei AI-Max-Funktionen aktiviert – auch Search-Term-Matching und Text-Anpassung, die es bei DSA in dieser Form nicht gab. Wer das nicht möchte, muss die Funktionen nach der Migration im Konto einzeln deaktivieren.