Ein Montagmorgen im Büro: Die Anfragen über die Website sind eingebrochen, die Search Console zeigt weniger Klicks, und im Netz kursieren Screenshots mit Sichtbarkeitskurven im freien Fall. Der erste Reflex lautet oft „Die Seite muss kaputt sein“. Meist ist es anders: Google hat an seinen Ranking-Systemen gedreht – und Ihre Seite ist ein Teil davon.
2026 gab es bisher zwei bestätigte Core Updates und mehrere Spam Updates. Dieser Beitrag ordnet sie ein, trennt Belegtes von Gerüchten und gibt Ihnen einen Prüfplan an die Hand, mit dem Sie ohne Aktionismus entscheiden, ob Handlungsbedarf besteht.
1. Die Core Updates 2026 im Überblick
Core Updates sind breit angelegte Änderungen an Googles Ranking-Systemen. Sie zielen nicht auf einzelne Websites, sondern verändern, wie Google Relevanz und Qualität über alle Themen hinweg bewertet. Deshalb gewinnen und verlieren dabei Seiten aus ganz unterschiedlichen Branchen – manchmal ohne dass sie selbst etwas verändert hätten.
Nach dem Google Search Status Dashboard gab es 2026 bisher zwei Core Updates: eines ab dem 27. März und eines ab dem 21. Mai. Beide liefen jeweils rund zwölf Tage. Daneben listet das Dashboard mehrere Spam Updates, auf die wir unten eingehen.
Kurz gesagt: Zwei Core Updates in knapp zwei Monaten (März und Mai) sind kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, die eigene Website nüchtern zu prüfen. Entscheidend ist nicht der Zeitpunkt des Updates, sondern ob Ihre Inhalte für Ihre Zielgruppe wirklich besser sind als die der Wettbewerber.
2. Zeitleiste: Wann welches Update lief
Die folgende Übersicht stützt sich auf die Einträge im Google Search Status Dashboard. Alle Zeiten dort sind in US/Pacific angegeben, deshalb können Datumsgrenzen in Deutschland um einen Tag abweichen.
Quelle: Google Search Status Dashboard (Zeiten in US/Pacific, auf Tage gerundet). Stand: 1. Oktober 2026.
Zwei Dinge fallen auf: Core Updates dauern deutlich länger als Spam Updates, und in dieser Zeit schwanken die Rankings oft in Wellen. Das Mai-Update lief mit rund 12 Tagen fast genauso lang wie das März-Update. Zusätzlich führt das Dashboard am 24. September 2026 einen weiteren Spam-Eintrag mit dem Status „Information“. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zum Spam Update im September.
Für das Jahr 2026 listet das Dashboard außerdem ein Discover-Update, das im Februar begann. Es betrifft die Empfehlungen in Google Discover und nicht die klassische Websuche.
3. Core Update oder Spam Update? Der Unterschied
Beide Update-Arten erscheinen im Dashboard, wirken aber unterschiedlich. Wer sie verwechselt, zieht schnell die falschen Schlüsse.
Core Updates bewerten das Gesamtbild neu: Welche Seite beantwortet eine Suchanfrage am hilfreichsten? Ein Verlust bedeutet in der Regel nicht, dass Ihre Seite schlechter geworden ist, sondern dass andere Seiten aus Googles Sicht besser passen. Eine Frist, nach der sich Rankings „erholen“, gibt es nicht.
Spam Updates richten sich gegen Verstöße gegen die Spam-Richtlinien, etwa manipulative Linkmuster oder massenhaft erzeugte, nutzlose Inhalte. Sie laufen meist nur wenige Tage. Wer sauber arbeitet, bemerkt sie häufig kaum. Wie Google mit KI-Inhalten im Spam-Kontext umgeht, haben wir im Beitrag Spam Update August 2026 und KI-Content beschrieben.
Praxisregel: Fällt der Einbruch in ein Core-Update-Fenster, prüfen Sie Inhalte und Suchintention. Fällt er in ein Spam-Update-Fenster, prüfen Sie Links, automatisierte Inhalte und Richtlinienverstöße. Ein Eintrag unter „Manuelle Maßnahmen“ in der Search Console wäre dagegen ein eigener, eindeutiger Fall.
4. Was Branchenauswertungen berichten – und was nicht belegt ist
Zu jedem Core Update erscheinen Auswertungen von SEO-Agenturen und Tool-Anbietern. Sie sind nützlich, aber keine Aussage von Google. Berichtet wird zum Beispiel, dass beim Mai-Update Foren und thematisch tiefe Fachseiten an Sichtbarkeit gewannen, während Verzeichnisse, Aggregatoren und dünne Vergleichsseiten sowie sensible Themen wie Gesundheit und Finanzen überdurchschnittlich schwankten. Für das März-Update wird von starken Verschiebungen in den Top-3-Positionen berichtet.
Wichtig ist die Einordnung: Solche Zahlen stammen aus Stichproben der jeweiligen Tool-Anbieter und beschreiben Tendenzen, keine Kausalität. Welche Signale Google tatsächlich gewichtet, veröffentlicht Google nicht. Wer daraus ein „Rezept“ ableitet, baut auf Sand. Als Hinweis taugen sie trotzdem: Dünne, austauschbare Inhalte und reine Sammelseiten sind ein Risiko.
Ein belegter Punkt gilt dagegen unabhängig von den Auswertungen: Google selbst betont, dass hilfreiche, verlässliche und für Menschen geschriebene Inhalte die Grundlage sind. Wie Sie Autorität und Vertrauen aufbauen, zeigt unser Beitrag zu E-E-A-T und KI-Autorität.
5. Erst messen, dann handeln: Prüfung in der Search Console
Google empfiehlt, nach Abschluss eines Core Updates mindestens eine volle Woche zu warten und dann die Woche nach dem Update mit der Woche vor dem Start des Rollouts zu vergleichen. So vermeiden Sie, mitten in den Wellen des Rollouts Entscheidungen auf Basis von Zufallsschwankungen zu treffen.
Gehen Sie in der Search Console in dieser Reihenfolge vor:
- Zeitraum vergleichen: Leistungsbericht, „Vergleichen“, Woche nach Abschluss gegen die Woche vor Rollout-Start.
- Nach Seiten filtern: Welche URLs verlieren Klicks – wenige Einzelseiten oder die ganze Domain?
- Nach Suchanfragen filtern: Sind es Marken- oder Nicht-Marken-Anfragen? Markenanfragen sind selten betroffen.
- Positionen statt nur Klicks lesen: Sinkende Klicks bei stabiler Position deuten eher auf AI Overviews oder Saisonalität hin als auf ein Ranking-Problem.
- Manuelle Maßnahmen prüfen: Ein Eintrag dort ist ein eigener Fall und kein Teil eines Core Updates.
Prüfen Sie parallel, ob die Zahlen in Analytics zur Search Console passen. Falsche Messung wird sonst mit einem Ranking-Problem verwechselt – mehr dazu im Beitrag GA4-Tracking: Warum die Zahlen oft nicht stimmen.
6. Typische Ursachen bei KMU-Websites
Aus unserer Beratungspraxis kennen wir wiederkehrende Muster, wenn KMU-Seiten nach einem Update an Sichtbarkeit verlieren. Das sind Erfahrungswerte, keine Aussagen von Google:
- Austauschbare Inhalte: Texte, die sich kaum von dem unterscheiden, was zehn andere Anbieter ebenfalls schreiben – oft mit KI erzeugt und ohne eigene Erfahrung ergänzt.
- Fehlende Belege: Aussagen ohne Quelle, ohne Autor, ohne Referenz oder Fallbeispiel.
- Zu breite Seiten: Eine Seite versucht, zehn Suchintentionen gleichzeitig zu bedienen, statt eine sauber zu beantworten.
- Veraltete Inhalte: Preise, Zahlen und Rechtslage aus den Vorjahren, die nie aktualisiert wurden.
- Technische Baustellen: Langsame Ladezeiten, kaputte interne Links oder doppelte Seiten, die das Gesamtbild trüben.
Ob einer dieser Punkte bei Ihnen den Ausschlag gibt, lässt sich nur Seite für Seite klären. Pauschale Rezepte gibt es nicht.
7. Was Sie jetzt tun – und was Sie lassen sollten
Der wirksamste Hebel ist selten ein schneller Eingriff, sondern ein ruhiger, priorisierter Plan.
- Betroffene Seiten priorisieren: Beginnen Sie mit den Seiten, die zuvor Anfragen oder Umsatz gebracht haben.
- Inhalte schärfen: Eigene Erfahrung, konkrete Zahlen, Beispiele aus Ihrem Alltag und klare Autorenangaben ergänzen.
- Suchintention prüfen: Schauen Sie sich die aktuell besser platzierten Seiten an und fragen Sie, was sie beantworten, das Ihre Seite nicht tut.
- Zusammenführen statt vervielfachen: Mehrere dünne Seiten zu einem starken Beitrag verbinden, mit sauberer Weiterleitung.
- Keine Panik-Massenlöschung: Inhalte nicht löschen, bevor die Analyse zeigt, dass sie das Problem sind.
- Dokumentieren: Änderungen mit Datum festhalten, damit Sie beim nächsten Update Ursache und Wirkung trennen können.
Einen Prozess, der Inhalte mit KI beschleunigt und trotzdem Qualität sichert, beschreibt unser Beitrag zum KI-Redaktionsprozess für KMU.
8. Fazit: Ruhe bewahren, sauber analysieren
Zwei Core Updates in einem Jahr sind Alltag im Suchmaschinen-Marketing. Ein Rankingverlust ist kein Urteil über Ihr Unternehmen, sondern ein Hinweis, die eigenen Inhalte kritisch gegen den Wettbewerb zu halten. Wer wartet, sauber vergleicht und gezielt nachbessert, kommt weiter als wer in der ersten Woche alles umbaut.
Unsere Einschätzung: Der beste Schutz vor jedem Update ist eine Website, die echte Fragen besser beantwortet als der Wettbewerb – mit Belegen, Erfahrung und sauberer Technik. Das wirkt auch dann, wenn Google das nächste Mal an den Stellschrauben dreht.
Lesen Sie auch: Spam Update im September und Spam Update August 2026 und KI-Content.
9. FAQ: Die wichtigsten Fragen zu den Core Updates 2026
Wie viele Core Updates gab es 2026 bisher?
Das Google Search Status Dashboard listet für 2026 bisher zwei Core Updates: das März-Update (Start 27. März 2026, Dauer rund 12 Tage) und das Mai-Update (Start 21. Mai 2026, Dauer rund 12 Tage). Stand 1. Oktober 2026 ist dort kein drittes Core Update eingetragen.
Wie lange sollte ich nach einem Core Update warten, bevor ich analysiere?
Google empfiehlt, nach Abschluss eines Core Updates mindestens eine volle Woche zu warten und dann in der Search Console die Woche nach dem Update mit der Woche vor dem Start des Rollouts zu vergleichen. Während des Rollouts schwanken Rankings häufig stark, vorschnelle Änderungen verfälschen die Auswertung.
Ist ein Rankingverlust nach einem Core Update eine Strafe?
Nein. Core Updates sind breite Änderungen an Googles Ranking-Systemen und keine Maßnahmen gegen einzelne Websites. Eine manuelle Maßnahme wird dagegen in der Search Console angezeigt. Fehlt dort ein Eintrag, handelt es sich nicht um eine manuelle Strafe.
Kann ich mich nach einem Verlust zwischen zwei Core Updates erholen?
Möglich, aber nicht garantiert. Laut Google kann es von einigen Tagen bis zu mehreren Monaten dauern, bis Systeme nachhaltige Qualitätsverbesserungen berücksichtigen. Zusätzlich gibt es laufend kleinere, nicht angekündigte Aktualisierungen. Eine feste Erholungsfrist gibt es nicht.
Quellen: Google Search Status Dashboard, Google Search Central: Core Updates, Search Engine Watch, Creationell: Google Updates 2026. Stand: 1. Oktober 2026.