Die Verwaltung digitaler Medien, im Englischen Digital Asset Management, ist eine Kategorie, die für Unternehmen mit Zehntausenden Dateien, vielen Ländern und einer eigenen Rechtsabteilung erfunden wurde. Die Anbieter, die sie prägen – Bynder ist der bekannteste Name –, verkaufen an genau diese Unternehmen, und ihre Preisgestaltung zeigt das. Für einen Betrieb mit acht Mitarbeitenden und einigen tausend Fotos ist die Kategorie zu groß. Das Problem dahinter gibt es aber in jeder Größe, und es zeigt sich in drei Fragen:
- Wo ist das gute Foto vom Eingang? Nicht irgendeines – das freigegebene, im richtigen Seitenverhältnis, ohne das alte Logo.
- Dürfen wir es verwenden? Wer hat es aufgenommen, was steht in der Lizenz, läuft sie ab, sind die abgebildeten Personen weiterhin einverstanden?
- Welche Fassung ist auf der Website? Die, die jemand im April mit 1.200 Pixeln neu exportiert hat, oder das Original?
Alles Weitere misst sich an diesen drei Fragen. Funktionslisten nicht.
Eine Offenlegung vor dem ersten Preis: Grünberg.Digital. betreibt eine eigene Bilddatenbank auf demselben Hosting, auf dem auch die Websites liegen. Sie ist die dritte Spalte unten. Für uns beantwortet sie die drei Fragen, für ein Unternehmen mit Katalog- oder Versandgeschäft würde sie es nicht.
1. Bynder: die Konzernplattform als Kategorie
Bynder veröffentlicht keinen Preis. Die Preisseite sagt das ausdrücklich: Jeder Kunde bekomme ein individuell zugeschnittenes Paket und damit einen eigenen Preis, der Weg führt über eine Angebotsanfrage oder eine Vorführung (bynder.com/en/pricing, abgerufen am 22. September 2026). Auch Bynders eigener Ratgeber zu den Kosten, zuletzt geändert am 11. Juni 2026, nennt keine Zahlen und bietet stattdessen ein unverbindliches Angebot an. In dieser Kategorie ist das üblich, und für den Mittelstand heißt es vor allem eines: Ein Vergleich ist vor dem Vertriebsgespräch nicht möglich. In unserem Vergleich der zwölf Werkzeuge steht die Bynder-Zeile deshalb mit null, versehen mit dem Hinweis, dass sie sehr wahrscheinlich der teuerste Posten der Tabelle ist.
Was eine solche Plattform wirklich gut kann, ist die zweite Frage. Die Rechteverwaltung ist ihr Kern: Bynder beschreibt automatische Ablauf- und Sperrdaten, eine Kennzeichnung für lizenzierte oder nur intern nutzbare Dateien, Freigaben vor dem Herunterladen und Wasserzeichen, und über eigene Metadatenfelder lassen sich Länder und Kanäle abbilden. Wer dreihundert lizenzierte Stockfotos in fünf Ländern einsetzt, für den ist das kein Luxus, sondern der einzige Weg, keine Abmahnung zu bekommen.
Was sie nicht kann: zu einem Betrieb mit acht Mitarbeitenden passen. Die Einführung ist ein Projekt, die Ordnungsstruktur ein Workshop, und selbst die Hosting-Region muss festgelegt werden, bevor die Umgebung eingerichtet wird. Für den Datenschutz ist das die gute Nachricht: Frankfurt gehört zu den angebotenen Regionen, und Bynder nennt für Übermittlungen außerhalb der EU Standardvertragsklauseln. Den Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO brauchen Sie trotzdem, und er gehört in das Vertriebsgespräch. Unterm Strich: Eine Konzernplattform beantwortet alle drei Fragen vollständig – für ein Unternehmen, bei dem die zweite Frage so groß ist, dass die Antwort weniger kostet als der Fehler.
2. Canva: die Bibliothek, die mit dem Design-Werkzeug kam
Auf der internationalen Preisseite nennt Canva für den Tarif Business 250 US-Dollar je Person und Jahr, für Pro 144 US-Dollar im Jahr für eine Person, Enterprise nur auf Anfrage (canva.com/en/pricing, abgerufen am 22. September 2026). Die deutsche Preisliste in Euro konnten wir an diesem Tag nicht direkt abrufen. Zwei deutsche Quellen aus dem Frühjahr nennen für Business 160 Euro (Finom, 26. März 2026) beziehungsweise 170 Euro je Person und Jahr (GIGA, 1. April 2026), für Pro übereinstimmend 110 Euro im Jahr. Laut Finom stellt Canva Unternehmenskunden im Reverse-Charge-Verfahren ohne deutsche Umsatzsteuer in Rechnung, die Beträge sind für Sie also netto. Prüfen Sie den Preis vor der Bestellung im eigenen Konto. Den Tarif Teams, den ältere Vergleiche noch führen, gibt es für Neukunden nicht mehr: Laut Canva-Hilfe ist er für neue Anmeldungen und Upgrades geschlossen, Business hat seinen Platz eingenommen.
Für ein Unternehmen, in dem drei Personen gestalten und fünf einen Zugang haben, weil es einfacher war, alle hinzuzufügen, heißt das: acht Plätze Business kosten nach diesen Angaben 1.280 bis 1.360 Euro netto im Jahr für ein Design-Werkzeug – und nebenbei eine Bildbibliothek. Drei Plätze für die drei, die tatsächlich gestalten, lägen bei 480 bis 510 Euro.
Die Bibliothek ist wirklich nützlich. Business bringt 500 GB Speicher und bis zu 100 Markenpakete mit Freigaben mit, Uploads lassen sich in geteilten Ordnern ablegen, die Suche funktioniert, und jedes Design weiß, aus welchem Bild es entstanden ist. Für die erste Frage – wo ist das gute Foto – ist Canva in kleinen Unternehmen oft die ehrliche Antwort, weil das Foto dort zuletzt benutzt wurde.
Schwächen hat Canva bei der zweiten und dritten Frage. Die Freigaben im Tarif Business betreffen Designs, die hinausgehen, nicht die Rechte an den Bildern, die hineinkommen: Nichts in Canvas Tarifvergleich deutet auf ein Feld für Fotografin oder Fotograf, Lizenzumfang oder Ablaufdatum je Upload hin. Und was Canva verlässt, ist ein neuer Export: verkleinert, neu komprimiert, manchmal mit der Farbkorrektur einer Vorlage. Auf der Website landet der April-Export, das Original liegt in einem Ordner, den niemand öffnet, und die dritte Frage bleibt offen. Canva ist eine Werkstatt mit gut sortiertem Materialregal, kein Lager.
Für ein deutsches Unternehmen kommen zwei Punkte hinzu. Canva schreibt auf seiner Datenschutzseite, dass die Daten in den USA gespeichert werden; eine Einstellung für die Speicherung in der EU gibt es nur in den Tarifen Enterprise und für Bildungseinrichtungen. Einen Zusatz zur Auftragsverarbeitung mit Standardvertragsklauseln stellt Canva bereit, lesen sollte ihn Ihre Datenschutzbeauftragte oder Ihr Datenschutzbeauftragter trotzdem – vor allem, wenn Fotos von Mitarbeitenden oder Kundschaft hochgeladen werden. Das ist dieselbe Abwägung wie bei US-Newslettern, die wir in Mailchimp, Brevo oder selbst gebaut durchgerechnet haben.
Und der zweite Punkt gehört in jede Kostenzeile: Der Platz ist die Einheit. Wer ein Bild nur finden muss, zahlt so viel wie die Person, die daraus etwas gestaltet. In einem Betrieb mit acht Mitarbeitenden wird die Bibliothek so zum teuersten Ordner, den Sie besitzen.
3. Der Ordner mit Regeln
Die dritte Möglichkeit kostet nichts und ist meist schon vorhanden, nur schlecht gepflegt. Ein geteilter Ordner auf dem Laufwerk – oder eine Bilddatenbank auf gewöhnlichem Webhosting, wie wir sie betreiben – mit drei Regeln:
- Ein Ort. Originale kommen hinein, Exporte bleiben draußen. Die Website verlinkt die Kopie aus der Bibliothek, das Design-Werkzeug importiert von dort, niemand führt einen privaten Vorrat.
- Ein Eintrag je Datei. Fotografin oder Fotograf, Quelle, Lizenz, Ablaufdatum und ein Vermerk zu abgebildeten Personen. Im Ordner ist das eine Textdatei daneben oder eine Tabelle, in einer gebauten Bilddatenbank ein Formular, das ausgefüllt sein muss, bevor die Datei nutzbar ist.
- Jemand ist zuständig. Keine Abteilung, sondern eine Person, mit einer Stunde im Monat.
Wir haben unsere Bilddatenbank gebaut, statt eine Konzernplattform zu kaufen, weil wir die dritte Regel durchsetzen konnten und die zweite brauchten: ein Lizenzfeld, das Pflicht ist, ein Ablaufdatum, das das System vor dem Ablauf anzeigt, und eine Suche über die Bildbeschreibungen. Die Beschreibungen schreibt beim Hochladen ein Sprachmodell – ein Aufruf je Datei, wenige Cent, und ein Text, den ein Mensch korrigiert statt schreibt. Das ist die eine Stelle, an der eine kleine Bibliothek etwas kann, das große Plattformen als eigene Funktion verkaufen, denn das Modell liest unsere Bilder und nur unsere. Die Daten liegen dabei auf unserem Hosting in Deutschland.
Wo der Ordner verliert, mit oder ohne gebaute Oberfläche:
- Freigabeprozesse gibt es nicht. „Freigegeben" heißt, dass die Person, die hochgeladen hat, das sagt.
- Rechte je Land gibt es nicht. Ein Lizenzfeld, ein Ablaufdatum. Wer Bilder hat, die für Deutschland freigegeben sind, aber nicht für Österreich, ist darüber hinausgewachsen.
- Video ist ein anderes Problem. Eine Bibliothek auf gewöhnlichem Hosting ohne Werkzeug zur Videoumwandlung kann aus einem Video kein Vorschaubild erzeugen. Entweder übernimmt das ein Dienst, oder Bewegtbild bleibt draußen – eine Entscheidung, die wir gerade selbst treffen und die zur Person aus Regel drei gehört, nicht zum Werkzeug.
- Niemand verkauft sie Ihnen, und deshalb schult auch niemand Ihr Team darin.
4. Was das deutsche Recht verlangt, kurz
Die zweite Frage ist in Deutschland keine Stilfrage. Drei Punkte genügen für den Überblick, eine Rechtsberatung ersetzen sie nicht:
- Jedes Foto ist geschützt. Auch ein einfaches Produktfoto ohne künstlerischen Anspruch genießt Lichtbildschutz (§ 72 UrhG). Wer es verwendet, braucht ein Nutzungsrecht, und dieses reicht im Zweifel nur so weit, wie der Vertragszweck es verlangt (§ 31 Abs. 5 UrhG). Ein Foto „für die Website" ist nicht automatisch eines für Plakat und Anzeige.
- Die Urheberin oder der Urheber hat ein Recht auf Nennung (§ 13 UrhG). Ob und wie genannt wird, steht in der Lizenz – und gehört deshalb in den Eintrag je Datei.
- Abgebildete Personen müssen einverstanden sein. Das Recht am eigenen Bild (§ 22 KUG) und bei Mitarbeitenden und Kundschaft auch die DSGVO verlangen in der Regel eine Einwilligung, die sich widerrufen lässt. Wer verlässt, wer widerruft, wessen Foto wo hängt: Das muss die Bildverwaltung beantworten können, nicht das Gedächtnis.
5. Der Vergleich auf den drei Fragen
- Findet man das Bild? – Bynder: ja, nach dem Workshop zur Ordnungsstruktur. Canva: ja, wenn es zuletzt in Canva benutzt wurde. Ordner mit Regeln: ja, wenn Regel eins eingehalten wird, mit gebauter Bilddatenbank auch über die Suche in den Beschreibungen.
- Weiß jemand, ob die Lizenz gilt? – Bynder: ja, je Datei, mit Ablauf- und Sperrdaten und Nutzungsbeschränkungen. Canva: kein Lizenzeintrag je Upload. Ordner: nur, wenn Regel zwei eingehalten wird; eine gebaute Bilddatenbank kann das Feld zur Pflicht machen.
- Welche Fassung ist auf der Website? – Bynder: die aus der Bibliothek, über Anbindung oder Auslieferungsnetz. Canva: ein Export unbekannter Herkunft. Ordner: die aus der Bibliothek, wenn die Website dorthin verlinkt.
- Kosten im Jahr, Betrieb mit acht Mitarbeitenden – Bynder: kein veröffentlichter Preis, nur auf Anfrage. Canva Business: 250 US-Dollar je Person und Jahr laut internationaler Preisseite, in Euro nach deutschen Quellen 160 bis 170 Euro netto, also 1.280 bis 1.360 Euro für acht Plätze oder 480 bis 510 Euro für drei. Ordner: nichts außer Speicher; gebaute Bilddatenbank: einmalig einige Tage Entwicklung, Hosting, das Sie ohnehin bezahlen, und eine Stunde Pflege im Monat.
- Wo die Daten liegen – Bynder: in der bei der Einrichtung gewählten Region, Frankfurt ist möglich. Canva: in den USA, EU-Speicherung nur ab Enterprise. Ordner: wo Ihr Laufwerk oder Hosting steht, bei uns in Deutschland.
- Für wen es passt – Bynder: Unternehmen mit vielen lizenzierten Bildern und mehr als einem Land. Canva: Unternehmen, deren Bilder in Social-Media-Beiträgen entstehen und dort bleiben. Ordner oder gebaute Bilddatenbank: Unternehmen mit einigen tausend eigenen Bildern und einer Person, die sich zuständig fühlt.
Die Preise sind Listenpreise, geprüft am 22. September 2026, ohne Umsatzsteuer und ohne Rabatte.
6. Fazit: Die Antwort ist die zweite Frage
Fast jedes Unternehmen im Mittelstand, das wir sehen, stellt die erste Frage – wo ist das Foto – und kauft ein Werkzeug dafür. Die erste Frage ist billig. Jede der drei Möglichkeiten beantwortet sie, ein Ordner mit einer Namenskonvention auch.
Teuer ist die zweite Frage, und die stellt niemand, bis die Rechnung einer Fotografin oder eine Abmahnung kommt. Kaufen oder bauen Sie für den Lizenzeintrag, nicht für die Suche. Braucht dieser Eintrag Länder, Ablaufdaten und Freigabeketten, ist die Konzernplattform die richtige Größe, und das Vertriebsgespräch lohnt sich. Braucht er ein Feld je Datei, das jemand tatsächlich ausfüllt, ist ein Ordner mit Regeln oder eine kleine Bilddatenbank, die das Feld zur Pflicht macht, die richtige Größe – und das Geld bleibt im Budget.
Und was Sie auch wählen: Das Werkzeug, in dem das Foto verarbeitet wird, ist nicht der Ort, an dem es liegt. Canva ist eine Werkstatt. Das Lager ist woanders.
Sie möchten wissen, welche der drei Möglichkeiten Ihr Bildbestand wirklich braucht? Buchen Sie ein kostenloses Erstgespräch – wir schauen gemeinsam, wie viele Bilder Sie haben, wo sie liegen und für wie viele Sie belegen könnten, dass Sie sie nutzen dürfen.
7. Häufige Fragen
Was kostet eine professionelle Mediendatenbank für ein kleines Unternehmen?
Die führenden Anbieter, Bynder eingeschlossen, veröffentlichen keine Preise und erstellen nach einem Vertriebsgespräch ein Angebot je Unternehmen; Bynder schreibt auf der Preisseite, dass jeder Kunde ein eigenes Paket und einen eigenen Preis bekommt. Für den Mittelstand heißt das praktisch: mehr, als das Problem kostet, es sei denn, das Unternehmen verwaltet lizenzierte Bilder für mehrere Länder. Ein Ordner mit Regeln oder eine kleine Bilddatenbank auf dem eigenen Hosting deckt einige tausend eigene Bilder für die Kosten des Speichers und die Zeit einer Person ab.
Ist Canva eine Bilddatenbank?
Canva hat geteilte Ordner, Markenpakete und eine Suche, im Tarif Business auch Freigaben für Designs. In vielen kleinen Unternehmen werden Bilder tatsächlich dort gefunden. Einen Lizenzeintrag je Upload – Fotografin oder Fotograf, Umfang, Ablaufdatum – führt Canva nicht, und was Canva verlässt, ist ein neuer Export statt des Originals. Canva taugt als Werkstatt, nicht als Ort für Originale und Rechte.
Gibt es Canva Teams noch?
Nicht für Neukunden. Laut Canva-Hilfe ist Teams für neue Anmeldungen und Upgrades geschlossen, bestehende Abos laufen weiter. Neue Teams buchen Canva Business, abgerechnet je Person.
Ist Canva mit der DSGVO vereinbar?
Canva stellt einen Zusatz zur Auftragsverarbeitung mit Standardvertragsklauseln bereit, speichert die Daten nach eigener Angabe aber in den USA; eine Speicherung in der EU ist nur in Enterprise- und Bildungstarifen einstellbar. Für Marketingbilder ohne Personen ist das meist unkritisch. Für Fotos von Mitarbeitenden oder Kundschaft sollte Ihr Datenschutz die Übermittlung einmal geprüft haben.
Was gehört in einen Lizenzeintrag?
Fotografin, Fotograf oder Quelle, Art und Umfang der Lizenz (Website, Druck, Werbung), gegebenenfalls das Ablaufdatum, die vereinbarte Urhebernennung und ein Vermerk zu erkennbaren Personen und ihrer Einwilligung. Ob das in einer Konzernplattform, in einer Tabelle neben dem Ordner oder in einem Pflichtformular einer kleinen Bilddatenbank steht, ist weniger wichtig, als dass es jedes Mal ausgefüllt wird.
Kann eine selbst betriebene Bilddatenbank Videos verwalten?
Videos zu speichern ist einfach. Ein Vorschaubild daraus zu erzeugen, braucht ein Werkzeug zur Videoumwandlung, das gewöhnliches Webhosting nicht mitbringt. Entweder übernimmt ein eigener Dienst diesen Schritt, oder Videos bleiben außerhalb der Bibliothek. Entscheiden Sie das, bevor die ersten Videos anderswo landen und eine zweite Sammlung entsteht.